Das Erwachen!

Sonntag morgen… Die Sonne scheint durch die nicht richtig zu gezogenen Lamellen. Draußen zwitschern die Vögel keine Rücksicht nehmend auf meinen doch etwas dröhnenden Schädel.
Ich kneife die Augen fest zu, nicht gewillt den Tag starten zu lassen. Will noch weiter schlafen, aber das Gurren der Tauben findet den Weg in mein Gehirn, wie das Geräusch einesZahnarztbohrers.

Woher kommen denn überhaupt die Vögel? Ich könnte schwören, dass ich noch nie Vogelgezwitscher in meinem Schlafzimmer gehört habe. Mein Gehirn versucht sich zu erinnern. Die Augen öffnen sich nur widerwillig erfassen die Umgebung. Das ist nicht mein Schlafzimmer, es sei denn ich habe gestern nacht umgestellt. Mein Körper fühlt sich so an. Irgendwie zerstört, nahe am Tod.

Das in meinem Blickfeld stehende Regal sieht aus wie von einem pubertierenden Schüler. Basecaps fein säuberlich aufgereit, oben stehen Pokale. Ich kneife die Augen wieder zusammen um zu erkennen, welche Sportart.  Nach einiger Zeit erkenne ich es, entweder ist es ein Baseballspieler oder Handball… Verdammt wo bin ich? Und wo ist der Besitzer dieses Regals?

Ich versuche den Abend zu rekonstruieren. Mein Freund hatte mich versetzt, die Arbeit, die Arbeit… Ich wollte aber den Samstag nicht auf der Couch verbringen. Daher habe ich eine Clubtour mit einer Freundin unternommen.  Die spielt aber kein Handball oder Baseball. Jedenfalls nicht soweit ich weiß. Ob sie ein neues Hobby hat? und einen heimlichen Fetisch für Baseballcaps? Das hätte sie mir bestimmt erzählt. Ich verwerfe diesen Gedanken schnell!

Was ist passiert? Langsam kommen Fetzen der Erinnerung in mir hoch. Ich erinnere mich an mindestens zwei Bars und eine Disse…An zahlreiche Männer, die Drinks spendierten und mit mir getanzt haben. Daher wohl auch die Ganzkörperschmerzen!
Der Ausflug in die Disse ist in meiner Erinnerung sehr schwammig, Tanzfläche, Drinks, Eine schwarz umrissene Person, Lächeln, mehr kommt mir nicht mehr in den Sinn, auch die Reihenfolge ist nicht mehr so ganz richtig.

Seufzend ergebe ich mich meinem Schicksal. Irgendwas oder irgendwer hat mich hierher gebracht, warum den peinlichen Moment hinauszögern? Ich drehe mich auf den Rücken, bewusstwerdend, dass ich nackt bin, mein Körper fühlt sich an als hätte er eine
Dampfwalze kennen gelernt. Tastend fühle ich nach Rechts, liegt da wer? Meine Finger stoßen auf warme, nackte Haut. Schnell ziehe ich zurück und drehe den Kopf.

Ohje! Ein Mann… und ich kenne ihn nicht! Er liegt mit dem Rücken zu mir, nackt wie Gott ihn schuf! Sein Rücken sieht sehr gut definiert aus. ein sexy Apfelpopo vollendet das in Stein gemeißelte Kunstwerk. Er ist schwarz! Mir dämmert der Zusammenhang zwischen dem schwarzen Umriss, dem strahlenden Lächeln von gestern abend und der schwarzen, nackten Person neben mir. Was habe ich nur getan? die fehlende Decke bei ihm jedenfalls, habe ich ihm geklaut… ob ihm kalt ist? Andererseits würde ich, wenn ich ihn jetzt zudecke vielleicht wecken. Ich bin mir unsicher ob ich das will. Und ich bin mir unsicher, ob ich diesen Anblick verhüllen will.

Als hätte er es gerochen, dreht er sich zu mir um, die Augen fest geschlossen. Seine Vorderseite ist genauso definiert wie seine Rückseite, wie eine römische Statue sieht er aus. Nur in schwarz. Allerdings ist sein Schwanz größer als bei einer Statue und so wie er aussieht noch halb hart. Ich spüre wie ich rot werde. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich gestern Nacht ungevögelt geblieben bin sinkt deutlich gen Null. Ich kann mich aber auch nicht erinnern verdammt. War er so schlecht? Oder ich einfach zu voll?

Er atmet hörbar ein und streckt sich, dabei bewegen sich seine Muskeln unter der Haut wie Drahtseile. Gott ist der trainiert. Wird er etwa wach? Ein Blick in sein Gesicht reicht. Die Augen sind noch zu. Er ist jung. Ich würde ihn auf Anfang 20 schätzen…
Einer seiner Arme tastet nach etwas. Wohl der Decke. Es kommt was kommen musste. Er berührt mich an meinen  Oberschenkeln. Schnell schließe ich die Augen. Ich kann mich jetzt nicht in diesen Moment der Peinlichkeit wiederfinden.
Ich spüre seinen Blick, atme ruhig, innerlich betend dass er mich nicht weckt. Macht er auch nicht. Ich merke wie er die Decke leicht anhebt. Scheinbar betrachtet er, was darunter liegt. Erinnert er sich auch nicht? Das wäre ja noch peinlicher!!
Es dauert einen Moment, dann rückt er an micht ran, unter die Decke nicht mich in den Arm. Seine Drahtseile umschließen mich. Er ist tatsächlich ein bisschen kalt. Sein Kopf liegt jetzt an meinem. Oh Gott, oh Gott, was mache ich jetzt??

Unwillig brummle ich versuche mich weg zu drehen. Er lässt es zu. Was ein Glück. Aus der Nummer komme ich nicht mehr raus. Kaum liege ich mit dem Rücken zu ihm rückt er dicht ran, sein Arm legt sich um meine Hüfte.
Ich atme ruhig, stelle mich schlafend. Mein Hirn ist dafür hellwach. Es sucht einen Ausweg, aber solange der schwarze Adonis mich hält, gibt es kein Entkommen.
Warum bin ich vorhin nicht gegangen? Da wäre ich vielleicht noch aus der Nummer entflohen.

Sein Atem wird ruhiger, er scheint sich wieder in das Land der Träume zu begeben. Ein Entrinnen gibt es immer noch nicht. Im Gegenteil er drückt sich noch dichter an mich. Ich spüre seine Muskeln, der hat auf jeden Fall Kraft. Wahrscheinlich ist das Bild mit der Dampfwalze zutreffend.Seine Hand, die groß ist umschließt eine meiner Brüste. Ich versuche ruhig zu bleiben. Du schläfst, alles ist ok, entspann dich. Ich spüre seinen halbharten Schwanz am Hintern. Er richtet sich auf, wird zu einem seiner Drahtseile. Gottverdammt… er schläft doch.

Warum ist mein Körper nur so anfällig?? Unbewusst drücke ich mich dem Drängen entgegen. Sein Griff um meine Brüst wird härter..

„Babe, du kriegst wohl nie genug. Hat dir die Nacht nicht gereicht?“ Mit diesen Worten werde ich auf den Rücken gedreht und mir wird schwarz vor Augen.

Meine letzten Worte sind „Wie heisst du denn?“ „Jerome“

Ich fange an zu fliegen….

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